Dienstag, 6. Juni 2017

Nun ja, wie heute morgen schon kurz gepostet, gleich am frühen Morgen eine Challenge.
Nachdem ich nach kurzem Schlaf schon früh von der Sonne wachgeküsst wurde (Vorhänge verdunkeln nicht genug), habe ich mir die Zeit genommen, intensiv den Reiseradführer zu lesen. Oha. Kurzer Anflug von Panik. Ruhig Stefan, rede ich mir selbst ein. Alles eine Einstellungssache. Die mentale, und sicherlich auch die körperliche Vorbereitung sind entscheidend.
Gesagt, getan. Erst einmal das Frühstück Deluxe mit viel Eiern, Wurst, Speck, noch mehr Wurst, Rohkost, O-Saft und reichlich (Weiß) Brot. Dazu 2 doppelte Espressi.

Teil 1 der Vorbereitung stand. Nun ging es los. Teil 2 spielt sich im Kopf ab.
Erst einmal das übliche morgendliche Bild mit viel Verkehr und Autofahrern ohne Rücksicht. Es wurde mehr und mehr unhübscher, was ich so an Vierteln bzw. Gegend sah. Der Fluch der vergessenen Vororte. Dann so allmählich war der Zeitpunkt gekommen, und ja, ich sah es schon von weitem, die Hölle von Novi Sad. Klingt sicherlich zu plakativ, dramatisch, zumal Novi Sad ja nun schon um die 20 km hinter mir lag, aber, es klingt halt nach 😉.

6,5 km konstanter Steigung (im Durchschnitt wieder 8 %; vielleicht gibt es nur 0, 6 oder 8 in Serbien?) lagen vor mir.


Langsam tastete ich mich ran, bis ich mit Gang 5 von 14 den richtigen Gang und Rhytmus gefunden zu glauben hatte.
Dann Belagswechsel, wie gemein, von Schlaglochasfalt auf Waschbetonplattenbruch und Einzelteile. Der 4. Gang musste her. 9 km/h standen zu Buche 😬. Nein, so schnell kann man da nicht hochschieben.

Ich hoffte auf ein Wunder. Löchriger Asfalt wäre ein Anfang. Oder einfach eine Verkürzung der Strecke.

Der erste Wunsch wurde mir gewährt; irgendwann wieder löchriger Asfalt 👍.
Und dann? Oben; am Ziel!!



Weiter ging es hügelig, wobei die Hügel schon größer waren als gestern, aber, hallo, ich habe die Hölle von Novi Sad überstanden. Steigung, Belag, Hitze und vor allem den Autos und LKWs getrotzt. Was können mir da Hügel anhaben?


Kurze Zeit später traf ich einen Franzosen. 2. Hälfte 60, aber fit. Vor 21 Tagen in Toulouse gestartet, hat er sich der Velo 6 verschrieben. Gestern, so berichtete er stolz, 150 km. Heute fand er den doch bissigen Gegenwind nicht so toll.

Ich pausierte und ließ Ihn ziehen, holte Ihn später wieder ein, und er machte gar nicht mehr den so fitten Eindruck. Ich fragte, ob alles ok ist, und er sagte nur, ja, ja, aber der Wind. Ich zog weiter und als ich mich umschaute, war nichts mehr von ihm zu sehen.

Einige km später, alleine gegen den Wind und die Hügel kämpfend, sah ich voraus ein Silhouette. Aufgrund meines Gepäcks, was immer noch macht, was es will, und großem Durst, machte ich aber zunächst einen Stop. Alles gerichtet, ging es weiter. Kurz darauf wurde die Silhouette konkreter, und es war der Herr aus Frankfurt (eigentlich aus Lingen, wie ich jetzt weiß), der Vorgestern auch in Vukova übernachtet hatte.

Auch er klagte über den Gegenwind. Und ja, es stimmt schon. Gestern war er mir nicht aufgefallen, da teilweise sogar im Gewand des Rückenwindes, aber heute war er schon wieder extrem.

Während  wir so quatschen, 2 weitere  Radler. Aus Freiburg. Frankfurt, jetzt Lingen, hatte beide schon vorher angetroffen. Zusammen und irgendwie doch nicht ging es weiter. Tagesziel für alle Belgrad.
Da ich eine frühe Ankunft wünschte, und mir das Tempo etwas zu unaufgeregt war, habe ich langsam angezogen, und Sie dann aus den Augen verloren. Vorerst?

Mangels Restaurants machte ich Zwischenstopp an einer Tankstelle. Wie geil eiskalte Cola schmecken kann 😋.

Und weiter ging es, immer der Schnellstraße lang zur Freude der Pkw und Lkw Fahrer. Über Stock und Stein, wie man so sagt 😐.

Dann, aus dem Augenwinkel ein Restaurant. Sah einladend aus und 2 Fahrräder standen schon davor. Ein spanisches Pärchen, nicht so im Englischen, aber ich verstand, was sie sagten. Nur warum er nächstes Jahr bei der Fortsetzung der Tour über Bukarest fahren will, 100derte km von der Donau entfernt? Ich glaube, sie hatte es auch nicht verstanden.

Noch 20 km abreißen mit Hm, Verkehr, Gestank und Kopfsteinpflaster (man habe ich geflucht),


und dann in Belgrad. Schön angelegte Restaurantmeile an der Donau. NetterPark. Naherholungsgebiet für die Belgrader.



Auf dem Weg zu meiner Unterkunft. Brückenüberquerung der Donau. Wie cool ist das denn? Fahrstuhl auf der Brücke für Radler, die zur Altstadt wollen 👍. Und meine Unterkunft. Konnte kein Schild, sonstigen Hinweis finden. Also Telefon. Ok, Privatunterkunft, wie sich herausstellt. Er in Frankreich. Seine Schwiegermutter kümmert sich.
Ich schreib nur soviel, alles super und gut. Aber auch ein wenig schweißtreibend, Gepäck und Fahrrad in den 7. Stock zu bringen.



Blick von meinem Balkon auf die Belgrader Altstadt.

Morgen. Besichtigung, Pflege und Organisatorisches.

Mir geht es gut.